Thao Suranaree

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Thao Suranaree

Beitragvon KoratCat » 20. Nov 2015, 10:32

Die Überlieferung berichtet über Thao Suranaree, auch Ya Mo genannt: 1826 wird in einem Kraftakt eine neue Hauptstadt am westlichen Ufer des Chao Praya, das heute Bangkok aufgebaut. Dazu werden die meisten jungen Männer aus dem ganzen Land zusammengezogen um beim Aufbau zu helfen. Deshalb halten sich in Korat nur noch Frauen, Kinder und alte Männer auf. Dieser Umstand wird von den Laoten unter König Anuwong genutzt. In einem Eroberungsfeldzug werden die wehrlosen Provinzen des Nordostens überfallen und auch die Stadt Korat besetzt und tausende von Menschen sollen von den Laoten nach Laos deportiert werden.

Die wenigen in Korat verbliebenen Männer sind gefangen gesetzt, doch die Frauen können sich frei bewegen, müssen aber für die körperlichen Belange der Besatzung zur Verfügung stehen.

In dieser Situation ergreift Khun Ya Mo, die Frau des stellvertretenden Gouverneurs in Korat die Initiative. Um der drohenden Verschleppung zu entgehen, organisiert die listige Khun Ya Mo am dritten Tag der Besetzung ein großes Fest zu Ehren der laotischen Soldaten, bei dem die Armee betrunken gemacht wird. Im Schutze der Dunkelheit werden die gefangenen Männer befreit, die betrunkenen Soldaten entwaffnet und mit ihren eigenen Waffen nieder gemacht. Die Besatzer werden so stark dezimiert, dass der verbleibende Rest die Stadt nicht mehr halten kann und fliehen muss. Khun Ya Mo, die vom thailändischen König Rama III. wegen ihrer mutigen Tat später in den Adelsstand erhoben wird und den Ehrennamen Thao Suranaree erhält, lässt laut der Überlieferung nach diesem glorreichen Sieg über die Laoten auf dem Flüsschen Lam Takhong eine Thai Sala auf einem Floß herunter treiben. An der Stelle, wo das Floß am Ufer des Flusses hängen blieb, wurde der Wat Sala Loi errichtet, in dessen Chedi später die Asche dieser mutigen Frau beigesetzt wurde. Siehe dazu unter War Sala Loi.

Am 5. Januar 1934 wurde zu Ehren von Thao Suranaree vor dem alten Stadttor Tschum-Whon am Rande der Altstadt, zwischen Ratchdamnoen und Chumphon Road, ein Denkmal eingeweiht. Dieses Monument erfährt von der Bevölkerung fast göttliche Verehrung.

Vom frühen Morgen bis weit in die Nacht hinein sieht man kniend betende Menschen vor diesem Denkmal. Meist sind es Bittsteller, die sich von Ya Mo die Erfüllung eines Wunsches erbitten.

Jedes Jahr feiert die Bevölkerung Ende März, Anfang April das Thao Suranaree Festival. Dabei werden Umzüge veranstaltet und ein großes Feuerwerk abgebrannt.

Alle Straßen und Plätze in der Nähe sind während mehrer Tage von Händlern, Schaustellern und Musik-Pavillons aus Nah und Fern belegt und tausende von Menschen aus der Stadt und dem Umland pilgern während dieser Zeit jeden Tag zu ihrem Denkmal, opfern Blumen und sprechen ein Gebet.

Das Festival endet jedes Jahr mit einem großem Umzug aus Fußgruppen und Motivwagen, wobei der Höhepunkt die Huldigung durch Frauen aus Korat ist, die sich als Urenkel ihrer großen Ahnin fühlen.

Die Bedeutung von Thao Suranaree für die Stadt Korat und der Provinz Nakhon Ratchasima ist für einen Fremden auf den ersten Blick nicht erkennbar. Meistens endet das Interesse an diesem Monument mit der Erkenntnis, dass diese Figur derzeit über die Grenzen der Provinz hinaus neben dem König Rama V, der die Sklaverei abschaffte und dem Abt Luang Phor, der große Geldmengen einsammelt und diese für soziale Zwecke zu Verfügung stellt, eine göttliche Verehrung erfährt.

Ya Mo, wie sie ja von der Bevölkerung liebevoll genannt wird, was soviel heißt wie große Oma, bzw. Großmutter, ist für alle Schichten der Bevölkerung eine Integrationsfigur, die stellvertretend für die gesamte Bevölkerung dieser Provinz ist.

Trotz der Künstlichkeit dieser Figur, deren Monument von einem Italiener entworfen wurde, wenig Ähnlichkeit mit thailändischen Merkmalen hat und zum großen Teil von Spenden chinesischer Geschäftsleute finanziert wurde, identifiziert sich die gesamte Provinz mit ihr.

Gepostet von Werner Schwalm am 5. Aug. 2006 um 10:06 Uhr

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Re: Thao Suranaree

Beitragvon KoratCat » 20. Nov 2015, 10:38

Heldinnen der thailändischen Geschichte

Suranaree aus Nakhon Ratchasima


Kommt man Reisender nach Nakhon Ratchasima, von den Einheimischen zumeist nur kurz als Khorat bezeichnet, so fällt einem aufmerksamen Besucher der Stadt ein Denkmal in der Nähe des bekannten Pratu Chumphon (Chumphon-Tor) auf, das von den Einheimischen offenbar sehr verehrt wird. Ständig liegen frische Blumen am Fuße dieses Denkmals, und es wird immer wieder von neuen Blumenketten und Blumenkränzen geschmückt. Wen zeigt dieses Denkmal und warum wurde es errichtet?

Das Denkmal zeigt Thao Suranaree (Lady Suranaree=Die tapfere Frau), von den Einheimischen auch als Ya Mo= Großmutter Mo bezeichnet. Welche Geschichte verbirgt sich hinter Thao Suranaree, der hier ein Denkmal errichtet wurde?

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Thao Suranaree (der Titel Thao wurde ihr erst von König Rama III. verliehen) wurde als Khun Ying Moo bekannt, wobei Khun Ying schon ein Titel ist, der die Frau eines höher gestellten Beamten oder auch Fürsten schmückte. Sie war tatsächlich im Alter von 25 Jahren verheiratet worden und war die Ehefrau des stellvertretenden Provinzgouverneurs von Khorat, Phraya Suriyadechawisetritthihodthiwicha, kurz als Phraya Palat bezeichnet.

Khun Ying Moo (Moo=Melone, von Dtaeng Moo) war im Jahr 1827 allein mit wenigen Getreuen und den Bewohnern in der Stadt, da ihr Ehegatte auf einer Dienstreise war. Plötzlich und ohne Vorwarnung wurde die Stadt von dem laotischen Prinzen Anuwongse von Vientiane erobert. Der laotische Prinz wollte vorgeblich den Siamesen helfen, die sich auf einen Kampf gegen Burma vorbereiteten. Es herrschte bereits der Erste Britisch-Birmanische Krieg und der britische Unterhändler Henry Burney war bereits nach Siam geeilt, um die Unterstützung Siams im Kampf gegen die Burmesen zu erbitten.

Angeblich wollte Anuwongse den Siamesen in einem möglichen Krieg gegen die Europäer unterstützen, obwohl Siam sich schon auf die Seite der Briten geschlagen hatte, denn der Untergang Ayutthayas war noch nicht so lange her und die Wut auf die Burmesen immer noch groß. Natürlich hatte Anuwongse ganz andere Pläne, als die vorgegebenen. Er wollte Siam erobern, um sich aus der Tributabhängigkeit Siams zu befreien. Deshalb also sein Marsch nach Khorat und dessen Eroberung. Dies sollte jedoch nur ein Etappenziel auf dem Marsch nach Bangkok sein.

Khun Ying Moo war also mehr oder weniger allein in Khorat, dessen Bewohner anfangs wie paralysiert wirkten. Sie entwickelte jedoch einen wahrhaft genialen Plan, um die Eroberer aus Khorat zu vertreiben. Sie sollte eigentlich, so der Plan von Anuwongse, zusammen mit sehr vielen anderen Gefangenen nach Vientiane gebracht werden, um dort als Geisel gehalten zu werden. Sie entwickelte jedoch sehr subtile Methoden, um den Abmarsch nach Vientiane zu verzögern bzw. zu verhindern. So überzeugte sie die Bewohner von Khorat, ein gutes und freundschaftliches Verhältnis zu den laotischen Eroberern aufzubauen, um diese in trügerischer Sicherheit zu wiegen.

Khun Ying Moo überzeugte die Eroberer, daß ein Großteil der Gefangenen krank sei und daß ein Teil der Wagen zum Transport ungeeignet sei, da sie kaputt seien und erst einmal aufwändig repariert werden müssten. Zu diesem Zweck bräuchte man natürlich Äxte, aber auch, um auf dem langen Weg nach Vientiane Feuerholz schlagen zu können. Die Laoten waren von ihren Argumenten überzeugt und besorgten die geforderten Äxte, die nun, zusammen mit den ohnehin vorhandenen Hacken, ein ansehnliches Waffenpotential ergaben, was die naiven Eroberer jedoch nicht ahnten.

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Der Marsch nach Vientiane begann, und Khun Ying Moo hatte schon eine voll entwickelte Strategie. Nachdem die gesamte Gruppe Thungsamrit erreicht hatte, bat sie die laotischen Kommandanten eine Rast einlegen zu dürfen, um die verspannten Muskeln zu lockern. Dieser Wunsch wurde ihr erfüllt, und mit Hilfe insbesondere der jungen Frauen in ihrer Gruppe lockte sie die laotischen Soldaten aus dem Lager. Die männlichen siamesischen Köche verblieben im Lager und wurden nunmehr schnell mit Äxten und Hacken bewaffnet. Die linke und rechte Flanke wurde von einigen fähigen Anführern übernommen und der sich ebenfalls bei der Gruppe der Köche befindliche Ehemann von Khun Ying Moo, Phraya Palat, der von seiner Dienstreise unerkannt nach Khorat zurückgekehrt war, übernahm das Kommando des Haupttrupps. Khun Ying Moo befehligte eine Gruppe von Frauen in einer Reserveeinheit. Der Angriff der Siamesen wurde mit unglaublicher Gewalt gegen die Laoten vorgetragen, die von der Wucht und der mustergültigen Strategie des Angriffs vollkommen überrascht wurden.

Der größte Teil der Laoten wurde getötet, und der überlebende Rest floh in Panik. Khorat war befreit und gerettet und auch Siam war einer Eroberung entgangen. Anuwongse floh nach Vientiane, wurde jedoch von General Singh (Lord Bodintaradecha) aus Yasothon verfolgt und Vientiane wurde niedergebrannt.

Diese Geschichte taucht interessanterweise auch beim Bau des berühmten Wat Benchamabopit in Bangkok auf, der einen deutlichen Bezug zu den historischen Ereignissen von Khorat hat.

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Die 1.85 m große Statue von Thao Suranaree wurde am 05.01.1935 eingeweiht. Sie wurde von Phra Thewaphinimmit entworfen. Geschaffen wurde sie von Silpa Bhirasri, dem aus Italien stammenden Künstler, dessen eigentlicher Name Corrado Feroci war. Feroci ist auch bekannt als Gründer der Silapakorn Universität und als Schöpfer des Demokratiedenkmales in Bangkok, als Schöpfer der Rama I.-Statue an der Phra Phutta Yodfa-Brücke, der Rama VI.-Statue im Lumpini Park in Bangkok und der Statue von König Naresuan, des Großen im Don Chedi in der Provinz Suphan Buri.

Zu Ehren von Thao Suranaree findet noch heute jährlich die 10 Tage dauernde Thao Suranaree-Messe Ende März/ Anfang April in Khorat statt. Südlich der Stadt Khorat befindet sich das Hauptquartier der Zweiten Regionalarmee der thailändischen Streitkräfte - es trägt den Namen "Fort Suranaree". Dr. Volker Wangemann

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Der FARANG

Beitrag vom 11. Juli 2010 um 06:40 Uhr

KoratCat
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Re: Thao Suranaree

Beitragvon KoratCat » 3. Mär 2016, 17:02

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Vom 23. März bis 3. April 2016 gibt es wieder das alljährliche Thao Suranari Memorial Festival 2016 Nakhon Ratchasima


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